Vergangenes Wochenende feierte das Dreamolition Derby sein Debut in München. Es war eine Premiere voller Überraschungen, Tränen (meinerseits) und das wichtigste: Hype! Aber der Reihe nach.

Als das erste Dreamolition Derby (der Nachfolger des Bayern Brawl) im Hardedge-Forum angekündigt wurde, war mir sofort klar: Ich muss zu diesem Event – das von den letzten Teilnehmern positiv aufgenommen wurde – unbedingt kommen!
Ich wollte herausfinden, was es mit dieser Parallelwährung – den Dream Dollar – zu tun hat, wieso Leute sich eine Charakterwahl in einem Side-Event ersteigern müssen und wieso bei diesem sogenannten „Healing“ die Leute ihre Hände in die Luft werfen, als ob sie Son-Goku bei seiner Genkidama unterstützen.

Wie vor jedem Turnier gehe ich auch hier die Teilnehmerliste durch:
Es kommt der Hype-Verein aus dem Wiener Virtual Dojo Vienna, die Münchener Szene sowieso vereinzelte Straßenkämpfer aus Saarbrücken oder Sachsen. Da das ausspionieren und Daten sammeln seiner Gegner auch in Street Fighter essentiell ist, besorge ich mir diese von einem Spieler, der sich das Vertrauen der Münchener und Wiener Dojos mit Lächeln und Wodka für sich gewinnen konnte: YouGenius.
Leider ist er durch seinen Nebenjob verhindert (GGs real life), sodass ich die Fahrt mit MeX aufnehme. Nach einigen kleinen Staus, einer Kugel Eis an einem verlassenen Autobahnparkplatz und vier Stunden tiefgründigen Gesprächen über Gott und die Welt kommen wir abends in der Location an.

Die Location ist eine Campus Cneipe (sic) der TU München. PrinnyDood, Nyappi und Struc haben diese Studentenbar das gesamte Wochenende gemietet. Es gab preiswerte Getränke, einen Turnier- und Casualbereich, gute Luftverhältnisse sowie Parkmöglichkeiten. Was braucht man mehr?

Beim Eingang bezahlen wir mit Euros unseren Eintritt plus Turnierteilnahme und erhalten im Gegenzug Dream Dollar. Die Idee dahinter ist genial, denn diese Parallelwährung hat eine ähnliche Kaufkraft wie der Euro:

Man kann Money- bzw. Biermatches austragen, auf Spieler setzen oder gegen alles Erdenkliche eintauschen. Dieses lässt die Spieler an viel mehr Matches mitfiebern, jeder Jab könnte einen reicher oder ärmer machen. Am Ende gilt: Der Spieler, der am Ende die meisten Dream Dollar besitzt, erhält einen Preis, für den sich zu kämpfen und wetten lohnt!

Das USF4 Turnier begann Freitag Abend um 21 Uhr. Bei 30 Teilnehmern entschied man sich für ein sofortiges Double-Elimination Bracket. Die Begegnungen am Freitag verliefen fast wie erwartet:

Der Lokalmatodor Yosh kämpft sich mit Overheads souverän durch seine Kontrahenten in die Top 8, wo Wiens Hoffnung Diko auf ihn wartet. Ein Ken Spieler, der dank seiner Fundamentals und Reaktionen den erfahrenen L1nkzero ins Loser-Bracket beförderte. Ricky boxt seinen Boxer (hehe Wortspiel) gegen FM Fehringers T. Hawk in die Top 8, wo ich nach einer Armee aus Wienern (K.Brown und Roger) auf ihn warte. Im Loserbracket des Top 8 muss Struc gegen L1nkzero ran und ein Wiener wird sich auf jeden Fall nach der Begegnung ChargiRoger verabschieden müssen.

Das SF4 Turnier am Freitag Abend

Das SF4 Turnier am Freitag Abend

Die Location eröffnet am nächsten Tag früh ihre Pforten für alle, denen der Freitag zum casual’n nicht gereicht hat.

Der Samstag Vormittag wird mit den Turnieren der zahlreichen anderen Games ausgefüllt. So spendieren beispielsweise die Neutrons eine komplette Casual Ecke mit genügend Screens und Xbox One für ihre große Liebe Killer Instinct. Neben der Turnierteilnahme hatte jeder die Gelegenheit, 3 Tage lang in dieses Spiel einzutauchen. Den Turniertag beendete als vorletztes Game Guilty Gear, welches durch sein Hype-Potential und einem Videoeinspieler der Top 8 Finalisten überzeugte, wodurch selbst „My-only-love-is-SF4“-Spieler sich von ihren Casual Stations losrissen, um die Grand Finals zu begutachten.

Glückwunsch an Dracula (3. Platz), King_Rasta (1.) und Owner (2.) v.l.n.r

Glückwunsch an Dracula (3. Platz), King_Rasta (1.) und Owner (2.) v.l.n.r

Nach einer letzten Verschnaufpause vor den USF4 Top 8 Finals wurden noch weitere Events mit einem gewohnt bombastischen Trailer angekündigt: Zum einen das Invitational USF4 Turnier und das zweite Dreamolition Derby, welches im September stattfinden wird und wie das Spring Break in Tijuana für Beat Em Upper klingt: Drei Tage Dauerzocken mit Vollverpflegung und Schlafmöglichkeiten. Was will man mehr? Trailer findet ihr am Ende.

Die Top 8 USF4 Finals wurden, wie schon bei Guilty Gear, mit einem großen Trailer-Feuerwerk eröffnet. Alle Top 8 Finalisten werden mit spontan einstudierten Choreographien in einem kurzen Trailer vorgestellt und dann geht’s sofort los!

Die erste Begegnung der beiden Dojo Häuptlinge um Yosh und Diko endet überraschend schnell. Diko benutzt seine Reaktionen und Footsies um Yoshs Elena keine Chance im Angriff sowie in der Verteidigung zu lassen. Beeindruckt von Dikos Dominanz erinnert sich Yosh an seine erste Jugendliebe Akuma, den er für Elena gedroppt hat. Die Untreue wird im zweiten Match von Diko bestraft und der Wiener marschiert souverän ins Winnerfinals ein (Yosh, du nimmst es mir doch nicht übel, dass ich 5 Dreamdollar auf Diko gewettet habe?)
Nächstes Match bestreite ich im Winnerbracket gegen Ricky. Ricky hat trotz deutlicher Fortschritte darüber zu grübeln, ob sein Level Up gegen meine massige Erfahrung im Balrog Matchup ausreicht. Er bleibt seinem Main treu und muss sich trotz sehr guten Reads aus dem Winner Bracket verabschieden.

Im Loser-Bracket geht es ebenso spannend weiter:

Struc holt sich gegen L1nkzero mit sicheren Combos und wahnsinnigen Reaktion das erste Match (L1nkzero macht einen Focus Midscree, den Struc sofort mit dem Ultra 1 beantwortet!). Doch L1nkzero wendet einfach seine Turnierstrategie an: „So viele Matches wie möglich spielen, um den Lerneffekt zu maximieren“ und gewinnt knapp mit 2:1. Ob er genug für das nächste Match lernen konnte?

Denn dort trifft L1nkzero auf Ricky. Ein sehr ausgeglichenes Match. Beide Spieler schenken sich nichts, doch die Ex-Punches und Overhead des Boxerspielers gewinnen die Überhand und L1nkzero erhält die Gelegenheit, seine Turnierstrategie außerhalb des Turniers zu überdenken.

Das Wiener Duell Roger gegen Chargi im Loserbracket fängt vielversprechend für den erfahreren und an dem Tag schon in den anderen Games erfolgreichen Chargi an. Er holt sich abgeklärt das erste Match, wird jedoch von Rogers Adaptionskills überrascht. Mixups, gute Footsies und Pokes belohnen den Yang Spieler, der im nächsten Duell gegen Yosh antreten darf.
Yosh spielt im Loser-Bracket jedoch wie verwandelt. Seine Amazonin hat nach der deutlichen Niederlage gegen Diko Blut geleckt und besiegt den Wiener mit 2:0.

Bevor es im Loserbracket weitergeht, muss ich im Winners-Finals gegen Diko ran. Gegen ihn habe ich noch nie gespielt, doch laut Datenbank „YouGenius“ besitzt er gute Footsies und sehr gute Reaktionen.

Die erste Runde im 1. Match werde ich für hastige Fokusattacken und zu aggressives Vorgehen hart bestraft und denke mir „Ja, die Gerüchte über seine Reaktionen scheinen zu stimmen“. Ich wechsle jedoch meine Taktik ab der 2. Runde und gehe ab nun defensiv auf das Footsie Battle ein. Ab diesem Zeitpunkt schaffe ich die Oberhand zu gewinnen und kann zusätzlich aufgrund meiner Matchup Erfahrung mit Halibel die Begegnung für mich entscheiden. Bedenkt man, dass dies nichtmal Dikos Maingame ist, kann man das Potential in ihm für USF4 nur erahnen. Hut ab!

Ab nun geht es wieder im Loser-Bracket weiter, wo sich Yosh und Ricky gegenüber stehen. Beide spielen um den Einzug in die Top 3 und das merkt man. Yosh nutzt Overhead und Low-Attack Mixups um Ricky zu verunsichern doch der beweist, dass er auch unter hartem Pressure seine trainierten Punishes beherrscht. Die letzte entscheidente Runde wird knapp für Yosh entschieden. Dies war das letzte Mal, dass Yosh sich in dem Turnier anstrengen musste.
Im Losers-Final gibt es das Runback Yosh vs. Diko. Wer auf ein ähnliches Ergebnis wettete wie in der Hinrunde, welches Diko deutlich für sich entscheiden konnte, hat seine Dream Dollars schnell abgegeben (und in meinem Fall an LunaticSoul. Sorry Yosh, dass ich wieder gegen dich wettete). Yosh spielt im Berserkermodus: Jede Attacke und Read trifft Dikos Ken, jede Taste die Yosh drückt erfüllt ihren Zweck und als Yosh doch noch einen Fehler macht, entgeht Diko der wichtige Punish. Yosh gewinnt das Loser-Final und steht im Grand Final gegen mich.

Ich habe mich schon auf Akuma und vor allem Elena eingestellt. Mich wundert es dennoch, dass Yosh das erste Match es mit Akuma versucht. Diese Jugendliebe namens Akuma gehört jedoch der Vergangenheit an: Er verliert das erste Match mit seinem alten Char und wechselt auf seine Affäre Elena und ab hier nimmt das Schrecken (für mich) seinen Lauf.

Ich werde von Yoshs neuem Stil total überrascht. Keine Random Mixups oder risky Gameplan mehr, der neue Yosh dominiert mit intelligentem Mixup, solider Defense und einer fehlerfreie Execution. Ich sehe keinen Ausweg und gebe das erst Set 3:1 ab.

Ich weiß, dass ich mich sammeln muss und nehme mir im Charselect eine kurze Auszeit. Ich gehe die letzten drei Matches durch, überlege mir neue Taktiken und versuche Schwächen in Yoshs Gamestil zu finden.

Wir fangen das nächste Set an. Die Pause hat mir gut getan und ich gewinne das erste Match. Als das zweite Match ebenfalls vielversprechend für mich anfängt, spüre ich so was wie Optimimus, doch Yosh zeigt ebenfalls wie gut er adaptieren kann. Er gewinnt die nächsten drei Matches, zerstört die aufkeimende Hoffnung und wird zum verdienten USF4 Champion des Dreamolition Derby gekürt wird. An dieser Stelle noch mal Herzlichen Glückwunsch… du Sack!

 

"Ich gönne dir den Sieg vom ganzen Herzen" - Sheva

„Ich gönne dir den Sieg vom ganzen Herzen“ – Sheva

Das Turnier ist beendet und die Spieler sowie Zuschauer erholen sich von den Finals. Anschließend folgt die Siegerehrung und die Auszählung der Dream Dollars, welche LunaticSoul gewinnt und hochwertige Preis sein eigen nennen darf: Eine Cammy- Statue und Original Street Fighter 2 für Super Nintendo.

Zu guter letzt gibt es noch ein Runback vom Teambattle der beiden Dojos: Virtual Dojo Vienna vs München Fight Night. Die erste Auflage konnte das Dojo aus Bayern vor einigen Monaten in Wien für sich entscheiden. Wird das österreichische Dojo auf fremden Boden seine Ehre verteidigen können?

Das 7vs7 fängt für die Österreicher gut an. Zwar besiegt BudgetPlayerCadet den Wiener Nozarex, doch dieser wird schnell gerächt. Es folgt ein knappes hin und her der nächsten Begegnungen, bis LuncaticSoul den Stick in die Hand nimmt und für Dominanz auf Münchener Seite sorgt. Dies verweilt jedoch nicht ewig bis W1ncest mit seinem Akuma antritt und Codys Siegessträhne unterbricht.

Was danach kommt, besiegelt das Schicksal der Wiener: Franz „Tomahawk“ Fehringer.

Unzufrieden mit seiner Turnierleistung lässt er seinen Frust an den Wiener raus. Erst wird W1ncest besiegt, danach kommt seine Turnier-Nemesis Chargi und wenn er schon einen Lauf hat, dann nimmt er auch Roger gleich mit auf den Condor-Spire-Express. Sein letzter Gegner ist Diko, der sich im Turnier den 3. Platz erspielen konnte. Doch Fehringer hat mit dem Turnier abgeschlossen und setzt all seine Mindgames und Command-Grabs in dieses eine Match und holt sich unter dem Zuruf der Münchener den zweiten Sieg für das Münchener Dojo.

Der Abend wird mit Casuals ausgeklungen bis um 0 Uhr die Location geschlossen wird. Einige haben noch nicht genug von USF4 und schauen sich das Turnier in Amerika an, andere wie ich fahren zur Unterkunft und schlafen. Und dann gibt es noch die Wiener, die sich gut gelaunt in das Nachtleben der Münchener Innenstadt stürzen.

Da ich am Sonntag nicht da bin, verpasse ich die Präsentation zu meinem Lieblingsthema „Spielen um zu gewinnen“, fahre jedoch mit MeX nach einem grandiosen Wochenende voller Dream Dollars, Shoryuken-Cocktails, unendlich viel Liebe Abseits der Turniere mit dem Wichtigsten nach Hause: Einem Community Event, wo dabei sein alles ist.

Danke geht an Matthias, Jessi und Thomas für das tolle Wochenende!

Die Köpfe hinter dem Dreamolition Derby

Die Köpfe hinter dem Dreamolition Derby

 

USF4 Results:

 

Diko, Yosh und Sheva v.l.n.r.

Diko, Yosh und Sheva v.l.n.r.

1. FM Yosh

2. Iplay / Sheva

3. Diko

4. MDZ Ricky

5. FM Linkzero

5. VDV Rodger

7. VDV Chargi

7. AD GEX Struc

Dreamolition Derby II – Teaser Trailer