Beim Fussball sieht man es in jedem Spiel: Der Trainer steht am Rand des Spielfelds und schreit die Leute zusammen, „Alle nach vorne“, „alle nach links“ oder „Gib‘ endlich den Ball ab!“

Gibts sowas auch in Fighting Games? Na klar! Beim FFM Rumble #7 hat sich eindeutig gezeigt, dass mentale Unterstützung fast schon kleine Wunder bewirken kann.

Cranky und Halibel besprechen Strategie gegen Mr. E: „Captain America muss sterben!“

Natürlich gibts kein Trainergehalt, aber die Leute in der Fighting Game Community sind schon so zusammengewachsen, dass man nie alleine an einer Station spielt. Es sitzt immer jemand neben einem, der mehr oder wenige gute Tips gibt. Das reicht von Hype wie „Er ist free!“ (Maruko) über Bestärkungen wie „Ruhig, Junge, ruhig!“ (Padau) zu sehr genauen Reads wie „Kein Stagger Setup mehr. Er springt nicht. Mach nur noch Command Throws!“ (Cranky). In jedem Fall ist es gut gemeint, aber welche Tipps bringen einem am Meisten?

Sheva gibt YouGenius entscheidende Hinweise

Ich nehme mal das Thema mal zusammen mit TR YouGenius, der so gut wie nie alleine herumsitzt, genauer unter die Lupe. Bei Team Rookie sieht man neben regelmäßigen Turniererfolgen im In- und Ausland ein fast schon an Skinship grenzendes Bonding. So eine Schultermassage fühlt sich natürlich ungemein gut an, aber bringt das überhaupt den spielerischen Erfolg? Wieviel Selbstmotivation braucht man da noch?

YouGenius, mal wieder Top 8 mit dem fünften Platz. Glückwunsch! Bist du zufrieden/nicht zufrieden?
Um ganz ehrlich zu sein bin ich krass unzufrieden. Mir ist jetzt klar geworden, was ich in einem Turnier erreichen möchte. Es ist nicht mal der erste Platz.

Was mir wichtig ist, ist es einen stärkeren Spieler als mich zu besiegen oder zumindest viele gleich starke. Oder das Gefühl zu haben, in dieser Begegnung seine eigene Mauer oder sein eigenes Limit zu überwinden.

Dieses Gefühl hatte ich in diesem Turnier nicht. Ich hatte TR Maruko, der ChaozTheory und MBR im Singles besiegte und Fünfter im Teamturnier mit CRUST|Nani wurde, als Gegner. Deshalb muss ich mir einreden, dass ich den Platz schon verdient habe, aber es FÜHLT sich einfach für mich unverdient an.

Mein Wunsch war Demulant zu besiegen und im Winners Final gegen Halibel zu spielen. Das allein hätte mich extrem glücklich gemacht. Aber so fühle ich mich irgendwie als unverdienter Fünfte.

In Amsterdam habe ich mich auch unverdient gefühlt. Zwar habe ich Starnab zweimal besiegt, aber auf der anderen Seite im Bracket waren Preplex, Phenix und Luffy.
Meine Chancen sind gegen Starnab besser als gegen die 3. Deshalb hat sich der Sieg für mich unverdient angefühlt, genauso wie jetzt beim Rumble obwohl ich es objektiv gesehen vielleicht verdient habe.

Das ist im Grunde meine Motivation und leider ist mir das jetzt erst klar geworden.

Dieser Punkt beeinflusste auch meine Vorbereitung negativ, da ich dachte „Im Match werde ich mich überwinden, richtig geil spielen und krasse Dinger abziehen“.
Das ist eine falsche Einstellung, leider habe ich verspätet meine Motivation und Ziel für Turniere gefunden.

Aber besser spät als nie und daher werde ich mich anders vorbereiten für das nächste Turnier!

Dich sieht man immer wieder weit oben. Wie bleibt man so konsistent?
Denke viel liegt an meinem Mindset. Schon allein weil ich mich als Topspieler in DE ansehe habe ich auch die Erwartung, mich gut zu platzieren.
Ich denke, ich bereite mich auch besser vor als die anderen Spieler.
Ich weiß, was ich zu üben habe und vor allem wie ich es zu üben haben.

Ich denke auch ein großer Teil liegt an meiner guten Einschätzung der Spieler. Im Grunde spiele ich meistens mehr den Gegner als das Matchup, was aber erst einmal nach hinten losgegangen ist auf dem DaUltimateCrushing gegen einen Cody Spieler.

Nur einen unbekannten und vielleicht mittleren Gegner spiele ich nach dem MU. Das ist etwas was den Deutschen meiner Meinung nach fehlt.

Zum Beispiel habe ich kaum gegen Unleashd gespielt, aber viel von ihm gesehen. Daher wusste ich, wie ich gegen ihn zu spielen hatte.

Hätte ich ihn nicht gekannt hätte ich vielleicht sogar verloren, aber so konnte ich seinen Spielstil sofort einschätzen und mich in den Pools anpassen.

Ich denke, ich level auch weiterhin auf. Wie schon vorher angedeutet habe ich wahrscheinlich einen anderen Anspruch an mich selbst als andere Spieler.

Ich bin generell unzufrieden mit meinem Spielstil (aber nicht auf eine Emo Weise) und sehe bei mir eigentlich nur Fehler im Gameplay. Selbst wenn ich gewinne sehe ich viele Fehler. Deshalb lade ich auch kaum Videos von mir hoch weil ich 95% davon für schlecht finde. Da ich noch viele Fehler bei mir sehe, level ich weiterhin auf.

Das ist denke ich, was mich von den anderen Spielern am Meisten unterscheidet.

Eine Entwicklung die ich über die letzten Jahre verfolgt habe ist die Bildung von Teams. Kann man sich Team Rookie wie eine Fussballmanschaft vorstellen? Oder ist es doch eher ein Clan?
Ich denke es ist eher beides. Einmal läuft es teilweise ziemlich locker. Wir machen uns gegenseitig keinen Druck, wir zwingen niemanden zum zocken, zum trainieren oder online sein.

Aber das brauchen wir auch nicht, weil die Spieler von TR, vor allem Maruko, selber sehr motiviert sind und selber etwas erreichen möchten. Maruko ist seit er bei TR ist noch motivierter und will dem Namen TR gerecht werden (und das wurde er definitiv!) da ich denke, dass mittlerweile so etwas wie Qualität mit dem Namen verbunden wird.

Im Moment ist Team Rookie gut wie es ist, mit den 5 Spielern. Wir wollen auch nicht größer werden da mehr Spieler das Team instabil machen.

Aber vor allem verstehen wir uns alle in der Gruppe sehr gut und das ist für mich das Wichtigste.

Man hat uns schon mal gefragt ab wie viel PP man bei TR reinkommt, oder ab welchem Skill/ Turnierergebnisse etc., aber so machen wir das nicht. Es geht uns eher darum, das wir gute Freunde untereinander sind, dass alle auch gute SF4 Spieler sind, ist ein großer Bonus.

Das andere große, neue Team ist ja CRUST aus NRW. Gibt es da sowas wie einen Wettbewerbsgedanken oder eine Rivalität?
Wenn du mich als YouGenius über andere Teams fragst, würde ich antworten:
Teams sind immer gut. Wie ich im Interview mit Entnervt erwähnt habe, gibt es kein Team in Deutschland, das Team Rookie gefährlich werden kann. Deshalb ist freundschaftliche Rivalität gerne gesehen, da man sich gegenseitig hochzieht und es eine Langzeitmotivation bietet.

Dazu hat NRW ein paar Spieler mit Potential und die brauchen noch etwas mehr Motivation.
Aber momentan, vielleicht weil es noch kaum Team Turniere gab, fühle ich keine Rivalität.

Wenn du mich als TR YouGenius über andere Teams fragst:
Wer ist Crust? 😉

Den Maruko habt ihr ja z.b. schon geklaut. Musstet ihr ihn bestechen?
Naja Maruko war sehr motiviert. Er war jung und brauchte den Fame und Skillschub.
Er wusste nicht, wie es in der FGC abläuft und da war es sehr einfach ihn für TR zu gewinnen.
Die Vorteile waren einfach
– Skillschub
– Fame.
– E- Penis Verlängerung
– Manager Einstiegsgehalt
– Amsterdam (Sekundäres Headquarter von TR)

Aber mit den Vorteilen kommen auch die Schattenseiten.
Maruko war vorher einer der bescheidensten und nettesten Menschen die es in der FGC gab. TR verändert den Charakter.

Da er noch sehr unerfahren war, hat er nicht die Team Rookie Geheimklauseln bedacht.

Es kommt eine große Portion Arroganz hinzu und man wird eingebildet. Man sieht überall nur Noobs und fragt sich, wo der rote Teppich ist.

Respekt für andere Spieler verschwindet vollkommen. Frei nach dem TR Motto:
Viel skill, no respect.

Es herrscht striktes Casualverbot und nur noch MMs werden erlaubt, wovon TR einen Anteil von 15% Anspruch hat.

Aber nein, Spaß! Maruko ist sehr motiviert und auch sehr gut mit Carloz befreundet. Da hat es sich so ergeben.

Beim Rumble hat von euch so gut wie nie jemand alleine spielen müssen. Motivieren dich Zuschauer, bzw. hilft es dir wenn Leute dir auf die Schulter klopfen beim Spielen?
Ich habe, was meine Nervenstärke angeht, Glück und spiele unter Druck besser, weil es micht zwingt ruhiger und richtig zu spielen und mich mehr zu konzentrieren.

Mir ist Vega einfach zu anstrengend in Casuals zu spielen, da ich auf so viele Sachen achten und mich konzentrieren muss, dass ich mein vollstes Potential nur unter Turnierbedingungen und gegen gute Gegner entfalten kann. Deshalb bin ich auch so casual-faul.

Es hilft auf jeden Fall wenn jemand dabei ist und einen unterstützt, kurze Tipps gibt oder an Kleinigkeiten und Habits erinnert.
Auf die Schulter klopfen hilft und motiviert zum Beispiel.

Aber es sollten wirklich nur Leute machen die auch verstehen wann man was sagen darf und vor allem WIE man es sagen darf. Das machen viele falsch, habe ich wieder bei diesem Turnier gesehen.

Deshalb dürfen für mich persönlich nur noch TR und Halibel neben mir sitzen. Auch wenns gut gemeint wäre, bei jedem anderen wäre mir das Risiko für schlechtes Coaching zu hoch.

Coaching in Aktion

Wie gibt man jemandem “richtig” Tipps? Auf Habits hinweisen? Den Gegner schlecht reden? Oder einfach nur bestärken?
Erst einmal die NoGos:
1.
Keine Verneinungen zum Beispiel anstatt „weniger springen“ lieber „bleib mehr auf dem Boden“.
Oder wenn es nicht anders geht anstatt „spiel‘ nicht so risky“ -> „Du spielst zu risky, spiel ruhig und solide“.

2.
Keine Tipps in der Runde, der Spieler muss sich voll auf das Match konzentrieren und keine Tipps verarbeiten.
Höchstens so Sachen wie „Zeit!“/ „Spiel auf Timeout!“, aber in einer neutralen Situation! Sehr wichtig: nicht wenn er gepressured wird.
Gegen Boxer sage ich zum Beispiel „Achte auf Overhead“, wenn die Spieler weit weg von einander stehen.

3.
Keine Kritik beziehungsweise auf keinen Fall im negativen Ton. Selbst wenn der Spieler etwas wirklich dummes macht. Das zieht herunter. Sowas kann man nach dem match machen. Im Match nur positive Emotionen geben und Verbesserungsvorschläge.

Zu den Sachen die man machen sollte/ kann:

Auf schlechte Habits hinweisen oder grundlegende Gedanken/ Taktik im Match.
Mein schlechtes Habit ist, ich bin ungeduldig und eine meiner großen Stärken, ich dränge nahezu jeden Gegner in die Ecke.
Deshalb sagt Sheva zu mir „Lass dir Zeit. Dräng ihn einfach langsam in die Ecke und in der Ecke greifst du ihn an.“
Das reicht eigentlich schon, dass ich den Plan für das Match oder Runde habe.
Im Grunde ist es zwar mein normales Gameplay, aber daran muss man mich ab und zu erinnern.
Tipps zum Spielstil sind im Grunde die wichtigsten Ratschläge, denn der Spielstil hat den größten Einfluss auf Sieg oder Niederlage.

Dazu noch Habits vom Gegner erkennen, aber das schaffen nicht Viele.

Was noch hilfreich ist: dem Spieler Mut zu machen und zu sagen er sei der bessere Spieler. Er hat die besseren Footsies, Mindgames, Reaktionen usw.

Für die unsicheren Spieler die so etwas nicht glauben würden, zum Beispiel random Spieler gegen Demulant: “ Er ist zwar besser, aber diese 2 Matches wirst du besser spielen. Er wird dich unterschätzen und das nutzt du aus“, etc.

Was hatte es mit der Glocke auf sich?
Das war eine Idee von Sheva. Er hat sich in Amsterdam eine Sexglocke gekauft, die geläutet wird, nachdem man Sex hatte.
In der FGC hat man aber keinen Sex, es wird nur geraped!

Um mehr Hype und Fun zu erzeugen, hat er die für die Teambattles eingepackt.

Und jedes mal wenn jemand geraped wurde, wurde die Sexglocke geläutet. Ist ’ne witzige Idee und ich denkem die wird noch nächstes Mal eingesetzt.

TR Carloz hatte die Idee einen Schwangerschaftstest zu kaufen um dem Gegner vorzuschlagen nach einem „rape“ sich untersuchen zu lassen.  Ist leider nicht dazu gekommen, vielleicht nächstes mal.

Ich habe für den Sonntag auch ne Kleinigkeit miteingepackt aber bin nicht dazu gekommen.

Vielleich nächstes Mal!

Generell denke ich, solche kleine Goodies sind witzig und helfen dem Hype.

Ich finde dieser Rumble hatte overall den größten Hype. Die 5vs5 Battles waren sehr hype und sehr viele der 2vs2 Begegnungen hatten viele Zuschauer.

Jetzt wissen wir, wir können hypen! Solche Momente erhöhen den Fun und positive Emotionen auf Turnieren und man möchte wiederkommen.

Sheva läutet gegen MBR die Glocke

Du hast gegen Demulant mit Sagat verloren. Woran lags? Ist er so unberechenbar mit seinen Shoryukens?
Problem im Halbfinale war vor allem, dass ich auf dem DaUltimateCrushing gegen ihn gespielt habe und er ganz anders gespielt hat. Mit diesem Vorwissen dachte ich, ich spiele so wie letztes Mal: Normals spammen und meine normale Offensive, dann passt es.

Er hat aber seinen Spielstil so geändert, dass es nach hinten losgegangen ist.
Er hat seinen Spielstil so verbessert, dass ich mich schon schämen muss, ihn so unterschätzt zu haben und zu denken, dassas ich ihn mit dem gleichen Spielstil wie vor 10 Monaten easy besiegen kann.

Ist mir im Grunde schon zum zweiten mal passiert, das erste mal gegen Luffy in Amsterdam. Da dachte ich auch „Ich spiele wie letztes mal dann passt es“. Nein, tut es nicht! Nicht gegen solche Gegner.

War teilweise echt down weil ich dachte, ich hätte dieses Match gewinnen können. Zum Glück habe ich am nächsten Tag ein MM gegen ihn gemacht und deutlich verloren. Ein bischen habe ich schon die Rape bell im Kopf gehört. Denn das hat mir gezeigt, dass ich absolut verdient verloren habe.

Die Reads gegen mich waren einfach zu gut. Ich denke, ich bin da zu predictable in manchen Situationen, oder er ist schon auf dem nächsten Level wo man generell die Habits des Gegners erahnen kann. Wahrscheinlich beides! Denn so viel spielen wir nicht gegeneinander. Und er hat viele Andere mit den Shoryukens getroffen, nicht nur mich.

Aber ich gönne ihm den Sieg im 1vs1 und 2vs2! Hat er nach langer Zeit im Schatten von Halibel absolut verdient.

YouGenius verliert gegen Demulant

Was machst du beim nächsten Mal gegen Emersion anders? Ein Mirror ist an sich ja immer ausgeglichen.
Was ich momentan anders machen werde kann ich nicht beantworten.

Werde mir die Matches mehrmals anschauen und auch sonst das Mirror studieren. Im Grunde ist es so, dass er der defensive ist und ich der offensive. Im Mirror wird die Defensive belohnt. Es ist auch nicht so leicht, eine Offensive gegen Vega aufzubauen, da er mit dem cr.MP crouchtech den Karathrow ausschaltet.

Ich habe selber ruhiger gespielt und mehr gepoked. Die Kopfhörer und Turniersituation haben meine Reaktionen verbessert und ich konnte gut dagegen poken. Ich habe es auch im Trainmode geübt, die Pokes zu bestrafen, was im Match schwierig ist. Dass er auf einmal selber gesprungen ist und seine Geduld aufgab hat mir gezeigt, dass ich das Midgame richtig spiele.

Wenn es Fehler waren, dann waren es wahrscheinlich Kleinigkeiten in Form von Ungeduld und Matchup Defizit.

Ich werde als erstes im Trainmode das MU zerlegen und dann noch an meinem Spielstil im Mirror arbeiten.

Denn wenn ich noch mal gegen ihn spiele, will ich dominieren.

Auf der anderen Seite haben wir Demulant, der schlußendlich im Finale gegen Halibel triumphierte. Es ist sehr interessant zu erfahren, wie er denn sein Match gegen YouGenius empfand. Das angesprochene Coaching kann anscheinend auch nach hinten losgehen, was Demulant dank den Ohren eines Luchses gnadenlos ausnutzt.

Demulant, du hast Halibel im GF besiegt, obwohl er Akuma spielt. Wie findest du das Matchup?
Akuma ist einer der schweren Matchups für Sagat. Ich würde mal sagen, es ist ein 7:3 Matchup für Akuma. Der Grund ist einfach, das Akuma bessere Footsies, Pokes und dazu auch noch ein Vortex Game hat, woraus man leider nur schwer rauskommt. Ich hatte das Glück, dass ich im 5vs5 Street Fighter 4 Turnier gegen Halibel spielen konnte. So konnte ich mir nochmal einen Gameplan erstellen, was ich besser/anders machen soll. Mit meinen Teammates hab ich mich auch nochmal beraten. Unleashd hat mir noch die wichtigen Hinweise für das Matchup gegeben. Ich bin dann auch nach dem Lose in den Practice Mode gegangen und hab mir da nochmal Gedanken über meine Fehler gemacht… im Hintergrund wurde ich von einigen ausgelacht. Sie dachten, ich würde meine Wut rauslassen… aber falsch gedacht!

Du bist bekannt für deine guten Shoryukens. Woher weisst du, wann du einen ansetzen kannst?
Genau genommmen kann man nicht sagen, dass ich es weiß. Ich nehme eher an, dass mein Gegner etwas drücken wird, das mein Shoryuken schlagen kann. Das wichtige daran ist aber, das ich meinen Gegner zeige, dass er meinen Shoryuken respektieren muss, egal in welcher Situation. In den Turniermatches hab ich eher versucht, am Anfang einer Runde die Shoryukens zu drücken, da geht man noch nicht soviel Risiken ein(der Gegner hat ja keinen Meter/Ultra für einen starken Punish). Wenn es getroffen hat, dann war das gut für mich, da ich nicht nur Damage gemacht habe, sondern meinen Gegner Mental beeinflusst habe. D. h. beim nächsten mal werde ich keinen Shoryuken machen, sondern eher werfen, einen Overhead oder eine sehr verzögerte Frametrap machen(oder wenn ich ganz gemein bin, dann kommt halt nochmal ein Shoryuken, aber das ist seltener der Fall). Im späteren Verlauf des Matches ist es für mich unüblich, einen Shoryuken ohne Meter zu machen. Ich will ja auch mit meinem Ultra treffen, aber es wird auch riskanter, da ich dadurch eine Runde verlieren könnte. Alles ist aber auch davon abhängig, gegen wen ich spiele. Gegen einen Spieler auf dem FFM-Rumble hab ich sogar 3 Shoryukens in Folge gemacht und auch getroffen. Bei den ersten 2 hatte ich nicht mal Meter für den FADC, bei dem dritten konnte ich Canceln, aber da war schon das Match vorbei.

Versuchst du eher auf den höchsten Ertrag oder auf das geringste Risiko zu spielen?
Eher eine Mischung aus beidem. Gerade am Ende einer Runde kann man z. B. für einen Shoryuken auf Block und ohne FADC sehr brutal bestraft werden kann. Aber auf geringstem Risiko zu spielen ist auch wieder schlecht, da der Gegner das durchschauen kann und so mit einem machen kann, was er will.

Hast du vorher schon Nachforschungen über deine Gegner betrieben?
Ich hab mir vor dem FFM-Rumble angeschaut, wer alles bei Street Fighter 4 teilnimmt und mir dann eine Liste erstellt, wer welchen Char spielt. Normalerweise schau ich mir auch noch Matchvids von fast allen Spielern an, aber mit meinem Internet konnte ich es mir leider nicht erlauben…

Auf dem DUC hast du gegen YouGenius mit Claw verloren. Jetzt hast du ihn aber recht klar besiegt. Wie kommts?
Da spielen sicher sehr viele Faktoren eine Rolle, wie z. B. einen guten Tag erwischen, in guter Form sein, Nervosität, Vorbereitung…was auch immer.

Ich war um ehrlich zu sein richtig müde, als das Bracket angefangen hat, aber da ging es nicht nur mir so. Mit der Zeit wurde ich aber schon etwas fitter, nachdem ich etwas weiter  im Bracket fortgeschritten bin und mir ganz viele Schokoriegeln reingezogen habe. Sogar die Verkäuferin hat mich darauf angesprochen, dass es schon mein drittes Ballisto in grün ist.

Mit einem guten Mindset und viel Schoko intus bin ich dann in den Kampf gegen YouGenius angetreten. YouGenius hat in unserem Match meinen Shoryuken sehr respektiert und das hab ich gemerkt. Da habe ich meinen Gameplan etwas geändert, damit er ja nicht Ergebnisse der Analyse von meinen anderen Turniermatches anwenden kann.

Außerdem habe ich gehört, wie Halibel zu ihm gesagt hat, er soll mehr Backdashes machen. Die Sache ist halt die, dass ich das auch gehört habe, deswegen hab ich das dann natürlich auch beachtet.

Demulant benutzt Tiger Destruction gegen Dodri (Sheva, Yougenius, Halibel). Es ist sehr effektiv!

Auch wurde ich von meinen Leuten unterstützt, dass hat mir enorm geholfen. Man fühlt sich so brutal, wenn man jemanden z. B. wirft und dann im Rhythmus von den Hits zugejubelt wird.Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass mir YouGenius beim nächsten Mal in den Hintern treten wird. Das war ja schon fast immer so, bei unseren Moneymatches gab es nämlich immer ein hin und her.

Und sein Pausengeld hast du ihm im Moneymatch dann auch noch weggenommen! Was hältst du generell von der Moneymatch Kultur, die aus Amerika rüberschwappt?
Sein Pausengeld ist gerade in meinem Geldbeutel und wird ja nicht so schnell ausgegeben….das ist nämlich meine Trophäe vom Sieg gegen ihn!
Also ich persönlich finde es natürlich gut! Wenn es um etwas geht, dann nimmt man ein Set viel ernster. In Amerika ist das aber etwas anders. Sie spielen oft um viel höhere Beträge als in Deutschland. Auch sind dort viel mehr Spieler bereit, Moneymatches zu machen, aber vielleicht auch nur, weil die Community dort um einiges größer ist, als in Deutschland/Europa.

Ihr wart ja wieder mit sehr vielen Leuten unterwegs. Wie siehst du den Zusammenhalt der Stuttgarter Spieler?
Der Zusammenhalt der Stuttgarter ist sehr groß! Es ist bei uns auch nicht so, dass wir nur gemeinsam zocken, sondern auch über anderes Zeug labern, was essen gehen, was anschauen usw. Das stärkt unseren Zusammenhalt und motiviert auch, sich wieder gemeinsam zu treffen.

Ist es insgesamt eine gute Entwicklung, dass sich mehr Teams bilden?
Also ich finde es richtig gut. In einem Team kann man sich gegenseitig unterstützen und das nicht nur auf Turnieren, sondern auch davor. Es ist viel besser, sich mit jemanden zu beraten, den man schon etwas länger kennt. Dadurch kann das aufleveln viel leichter sein, als wenn man es alleine versucht. Auf einem Turnier ist man dann natürlich für seine Teammates und es ist ein gutes Gefühl, wenn man selbst oder einer vom Team etwas reißt.

Fördert das eher die Freundschaft oder die Rivalität?
Ich denke mal beides. Unter sich will man ja der Beste sein, aber eigentlich will man ja auch, dass das Team insgesamt besser werden soll. Es gibt nichts besseres, als wenn das eigene Team die Top 3 auf einem Turnier platzieren. Bei uns im MD wird man geärgert, wenn man ein Set verliert, deswegen muss man gewinnen, um jemanden zu ärgern.

Ich möchte mich noch an meine MD Leute bedanken, die mit mir immer trainiert und mich auch auf dem Turnier unterstützt haben. Ohne sie wäre ich wohl ein noob. Und natürlich auch an alle anderen, die mit mir gespielt/geübt und mich unterstützt haben!

Was sind eure Erfahrungen mit Coaching? Haltet ihr es für einen unfairen Vorteil? Ging es schonmal nach hinten los? Verwirrt es euch eher? Teilt eure Anekdoten oder Gedanken als Kommentar mit!