Dieses Mal kommen wir zu jener Person, die uns quasi die Plattform HardEdge überhaupt erst ermöglicht: unserem Admin Boki.

 

So, bevor wir auch bei dir ans Eingemachte gehen, stell dich doch mal hier vor. Wer bist du, was machst du, etc.
Fangen wir ganz einfach an. Ich heiße Bogdan Dzogaz, wurde 87 in Montenegro geboren und lebe seit 1993 in Wien. Derzeit studiere ich medizinische Informatik auf der TU Wien und arbeite nebenbei als ITler um mir das Leben leisten zu können 😀

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Boki im VDV

Wie bist du zu Fighting Games gekommen und welche(s) spielst du so als Maingame(s)?
Lustige Geschichte. Ich lasse jetzt bewusst die SNES Zeiten außer Acht, da ich diese als vernachlässigbar betrachte.
Angefangen hatte alles mit nozarex und diko. Wir hatten damals auf der Dreamcast zum Spaß Xmen vs StreetFighter gespielt, wo nach kurzer Zeit CVS folgte.
In weiterer Folge fanden wir an CVS2 Gefallen, welches kurze Zeit später defekt ging 😀 und uns nur 3rd Strike übrig geblieben war.
Damals gab es in einer Saturn Filiale eine Dreamcast Station, auf welcher das neue SF3: 3rd Strike umworben wurde. Irgendwann war es von nozarex, diko und mir zu einem Hobby herangewachsen
zum Saturn zu gehen um dort einige Matches auszutragen. Natürlich hatten sich nach einiger Zeit viele Kids gefunden welche die selbe Ansicht geteilt hatten und es somit zu einer kleinen „Arcade“ ausgeartet war.
Doch als die Werbekampange zu Ende ging war die Location damit gestorben und im Anschluss, hatten wir uns natürlich sofort die DC Version besorgt. Das weitere Geschehen nahm dann immer bei mir zu Hause seinen weiteren Lauf.
Irgendwann wurden wir aufgrund unserer Mitgliedschaft bei HardEdge von anderen Wiener Spielern angesprochen und wir schlossen und dann der Wiener Szene an.

Wieso ist dein Maingame dein Maingame?
Ich kann nicht sagen, dass ich mir mein Maingame ausgewählt habe. Es ist viel mehr eine Entwicklungsgeschichte.
Wir vorhin erwähnt, hatte dies mit dem Stand im Elektrofachhandel Saturn begonnen. Die weitere Entwicklung war somit vorprogrammiert.
Jedoch war ein wichtiger Grund, dass nahezu ausschließlich 3rd in der Wiener Szene gespielt wurde und sich dieses Spiel bei den meisten Wienern als Maingame etabliert hatte.
Somit hat sich dieses Game über eine sehr lange Zeit als Maingame bei mir gehalten. Ist es im Prinzip heute noch, jedoch spiele ich es nur gelegentlich mit dem legendären Weisskreuz 😀
Natürlich muss noch erwähnt werden, dass heute die Verteilung der Maingames bei uns komplett anders ausschaut.

Was beeinflußt deine Charwahl?
Agilität, Komplexität und Dynamik. Wenn es zusätzlich ein weiblicher Char ist, dann ist alles perfekt!
Mir ist es wichtig, dass mein Char ein hohes Maß an Dynamik mitbringt. Ich mag es viel zu experimentieren und abwechslungsreiche Abläufe zu steuern.
Sofern Chargen oder Grappling im Vordergrund stehen, so halte ich von diesen Chars den Abstand, da ich sie nicht meinem Geschmack entsprechen.
Ich finde es immer interessant zu sehen, dass es Spieler gibt, deren Charwahl sich speziell auf einen dieser Typen beschränkt und sie die Fähigkeit mitbringen diese Mechaniken derart gut zu beherrschen, dass mir am Ende nur die Aussage übrig bleibt, dass es sich um ein „unfaires“ Spielelement handelt. Gegen gute Grappler zu spielen ist imo wirklich nicht schön, dennoch zolle ich ihnen Respekt 😀

Nun aber zur Frage aller Fragen: Wie und warum wurdest du zum HardEdge-Admin?
Vor gut 11-12 Jahren hatte ich ein Forum bezogen auf die Rollenspielserie Final Fantasy gegründet.
Es war eigentlich nur ein kleines Projekt zum Selbststudium verschiedener Forensoftware. Doch nach zwei Tagen hatten sich bereits mehrere
Mitglieder angesiedelt wodurch es in sehr schneller Zeit an großem Zuwachs erlangen konnte. Über die Jahre hinweg hatte ich natürlich viel Erfahrung gesammelt und habe den Auf- und Abstieg verschiedener Diskussionsforen erlebt.
Zu Anfangszeit meiner FG Karriere hatte ich mich auf HE registriert. Zwar war ich kein überaus aktives Mitglied plus waren meine Ambition und Fachwissen im Vergleich brillanter Leute in der Community kaum nennenswert. Doch durch künftige Besuche einiger Events in Deutschland wurde es mehr Freundschaft als Mitgliedschaft. Als Terry das Vorhaben gefasst hatte, HE abzugeben war ich davon ausgegangen, dass sich sehr schnell ein Nachfolger finden würde, doch es gab im besagten Thread recht wenig Resonanz. Ich hatte etwas Sorge, dass HE zu den Foren gehören könnte, welches nach einiger Zeit bei komplizierteren Problemen einfach verschwindet und ich konnte zumindest meine technische Erfahrung in diesem Bereich anbieten und sicherstellen, dass es mit Sicherheit am Leben bleibt.
Es war mir wichtig, dass jemand die Kontrolle übernimmt, der selbst in einer verfluchten Phase nicht das Handtuch wirft, das Weiterbestehen des Projektes sicherstellt und nicht durch Mangel an Erfahrung oder Einwirkungen vom privaten Umfeld das Projekt in Abhängigkeit zieht. Damals gehörte noch Adlerklaue zum HE Team, welcher aufgrund seines Studiums nach Wien gezogen war und mich dann näher gekannt hatte. Somit wurde meiner Bewerbung etwas Sicherheit geschenkt und es führte dazu, dass ich die Leitung, damals noch mit Cpt. Atom, übernehmen konnte. Natürlich herrscht bei mir der Nachteil, dass meine Aktivität seit Beginn meines Studiums, Jobs und dem Anfang einer Beziehung stagniert ist, jedoch nehme ich das Weiterbestehen ernst und bin sehr froh über die Tatsache so ein starkes Team neben mir zu haben.

Inwiefern hat sich die Community im deutschsprachigen Raum verändert, seit du bei HardEdge bist?
Um ehrlich zu sein, habe ich, was Deutschland betrifft etwas den Überblick verloren. Einerseits hat dies damit zu tun, dass die lokale Szene bei mir in Wien aufgrund des dominanten Angebots vieles überschattet und einem den Überblick auf den deutschsprachigen Raum raubt. Andererseits ist  die Szene einfach gewachsen und der allgemeine Überblick etwas verloren gegangen. Einige ambitionierte Köpfe schaffen es alles im Blick zu behalten, doch mich kann da nur schwer einbeziehen. Man festigt sich einfach und treibt sich nur noch in seiner Umgebung herum.
Aber aus eigener Ansicht betrachtet wurden gravierenden Veränderungen durch den Release der damaligen neuen Konsolengeneration(PS3,360) und den damit verbundenen Titel SF4 und BlazBlue verursacht. Durch diese Titel kam ein enormer Wandel in die Szene. SF3, Guilty Gear und CVS2 waren bei den meisten Turnieren die Haupttitel welche wiederum von den Turnierteilnehmern über Jahre hinweg gespielt wurden. Der geforderte Erfahrungsgrad war damals in den Spielen recht hoch und gegeben. Beim Generationswechsel bestand der Nachteil in dem ernorem plötzlichen Zuwachs der Szene. Wir müssen einfach zugeben, dass HardEdge darauf nicht vorbereitet war. Davor noch ein geschlossener Kreis mit großteils gleichen Ansichten und bedauerlicherweise gab es kurze Zeit später mehr Schwanzvergleiche als Diskussionen. So schön es auch ist, war die Übergangszeit ein steiniger Weg, doch in meinen Augen ganz normal. So laufen die Dinge nunmal und Veränderung tretet einfach in Kraft. Damit muss man umgehen können und mit Akzeptanz entgegentreten. Mich persönlich konnten (wie weiter unten angeführt) die neuen Titel nicht begeistern, was dazu führt dass ich zu der Gruppe der verlorenen Seelen gehöre die auf einen neuen Wirt warten 😀
Aber mein Gott, so ist ist nunmal der Lauf der Dinge, früher oder Später ist eben eine Umorientierung notwendig.
Von der anderen Seite und zum größten Teil ist der Zuwachs etwas wundervolles, da es der Szene einfach ermöglicht hat zu Wachsen und Wachstum ist besonders in unserer Szene eine sehr gern gesehene Sache.
Es ist einfach herrlich anzusehen wieviele Events aus dem Boden gestampft werden. Das Angebot hat sich massiv gesteigert und die Entwicklung gefällt mir gut.
Wenn ich mir beispielsweise das nächste FFM Rumble Event ansehe finde ich es einfach toll, dass die Turnierveranstalter jetzt schon mit Wartelisten zu kämpfen haben. Eine hervorragende Entwicklung!

Hast du Matches gehabt, die dich besonders geprägt bzw. bewegt haben? Erzähl uns von dem/den Matches.
Oh da waren ein paar reizende dabei :D. Wo 3rd noch eine aktive große Community hatte, war es immer sehr aufregend im Ausland bei Turnieren teilzunehmen.
Glücklicherweise teilte diese Ansicht der Großteil der Österreichischen Community, sodass wir stets in stattlicher Anzahl reisen konnten.
Die Turniermatches waren dabei nicht so sonderlich prägend, vielmehr sind es die Casuals die das Herz bewegen. Anstatt eine kurze mit Nervosität behaftete
Begegnung innerhalb eines Brackets, ist es doch viel angenehmer im Casual mit den Leuten zu spielen. Es war sehr aufregend die Ganze Community und die
Gesichter welche sich hinter den lang bekannten Namen verbargen kennenzulernen. Zu später Stunde fand sich immer jemand der Zeit hatte und durch die Casual Matches folgt stets der Smalltalk.
Stets ein Bier zur Hand, den Stick am Schoß, die netten Gespräche und das gemeinsame Lachen während der Matches. Ich finde, dass dies die prägendsten Matches sind.
Turniergeschichten sind im Vergleich nebensächlich.

Wie gehst du das Thema Practice an?
Ich finde man sollte sich anfangs nicht direkt in Setups und Mechaniken reinverdrehen die allgemein als „Gültig“ und effektiv annerkant worden sind, sondern sich zuerst mal mit elementaren Dingen befassen.
Für mich ist es wichtig zuerst eine einfache Basis zu fassen mit welcher ich experimentieren kann. Anstatt krampfhaft zu versuchen die besten und aufwändigsten Spielmechaniken umzusetzen gehe ich lieber Eines nach dem Anderen an.
Ich schau mir meistens für den Anfang sehr wenig an und arbeite in Matches sozusagen nur mit dem was mir zur Verfügung steht. Irgendwann bekommt man ein ganz feines Gefühl dafür wie man mit den Dingen umgehen soll und wie der Char
in welcher Situation einzusetzen ist. Ab diesem Zeitpunkt finde ich ist man bereit sich in tieferes Gewässer zu bewegen. Natürlich ist dies nur meine Art und Weise des Vorgehens auf jemand anderen würde dies natürlich nur unzureichend zutreffen.
Natürlich steht dies in Abhängigkeit zum Spiel und der jeweiligen Lernkurve, aber im Grundegenommen adaptiere ich dieses System bei jedem Titel, welches ich ausprobiere. Kurz gesagt ist es am besten etwas mit dem Char „herumzufuchteln“ und ein Gefühl dafür zu bekommen wie man mit ihm umgehen soll. Erst in weiterem Schritt schadet es nicht wenn man an das „harte Zeug“ anschließt.

Dich brauche ich wohl nicht zu fragen, ob du online spielst oder eine Offline-Community am Start hast. Als Mitglied im VDV (Virtual Dojo Vienna) hast du sicher eine gute Competition zur Hand. Erzähl uns doch etwas über diese Institution.
Vor der VDV Ära war es in Wien recht simpel aufgebaut. Ein Freund hatte einen Aufruf zur Session gemacht und kurzerhand war die ganze Bande bei ihm zu Hause. Vor knapp drei Jahren wuchs die Szene schlagartig, durch die Verknüpfung der HardEdge und AniNite FG Spieler in Wien, welche Kontakt bei einer AniNite geknüpft hatten. DerWisser (Sidar) hatte damals die Idee, dass wir einen Verein eröffnen könnten, welcher sich durch Mitlgiedsbeiträge finanzieren würde. Anfangs waren wir knapp 20 Leute und glücklicherweise hatten sich alle bereit erklärt diesem Vorgehen eine Chanse zu geben, wodurch die Geburtsstunde des VDV eingeleitet wurde. Ich kann nur sagen es ist einfach fantastatisch :D. Es wird eine Vielfalt an Bedürfnissen gedeckt. Ob man Lust auf ein paar Matches hat, an einem Turnier teilzunehmen oder sich mit seinen Freunden im Gaming Room Zero (die ChillZone) zu unterhalten, 3rd Party zu zocken oder einfach ein kühles Bier zu trinken – es wird einem alles geboten. Wir versuchen die Szene ständig durch verschiedenste Turniere am laufen zu halten.
Die Interne Politik betreffend der Turniere und Events ist die, dass jeder die Freiheit hat, sein eigenes Ding aufzuziehen. Somit hat jeder die Möglichkeit ein Turnier mit seinem eigenen Lineup ins Leben zu rufen und seinen Vorstellungen entsprechend aufzuziehen. Natürlich ist man nachsichtig mit der Auswahl der Titel, falls diese bereits in einem anderen regelmäßigen Turnier auf der Liste stehen. Der Verein ist grundsätzlich täglich geöffnet und kann von jedem besucht werden. Aktuelle News und Events finden sich immer auf der FB Page (Link unten) und im HE Forum. Falls sich jemand ein nähres Bild verschaffen möchte, kann er gerne die Gallerie auf FB durchstöbern oder noch besser uns einen erfeulichen Besuch abstatten. Anbei zwei Bilder, welche die GamingRooms kurz zeigen.

Welche kommenden Titel in „unserem“ Genre könnten dich nochmal so richtig reizen?
Das ist eine gute Frage. Ich persönlich sehe mich als eine verlorene Seele im aktuellen Zeitalter der Bemus. Mir ist es wichtig, dass das Spiel, für welches ich die Zeit und Energie investiere auch in der Szene präsent ist. Ich ehre jeden hinsichtlich seiner Motiavtion sich in einen Titel, unabhängig seiner Beliebtheit, reinzuarbeiten, doch ich habe gerne ein breites Spektrum an Mitspielern. Natürlich wäre hier Street Fighter IV ein Argument, doch gerade dieser Titel spricht mich nicht so an. Als Casual Game habe ich es gern, doch es ist einfach nicht die Art von Spiel die eine besondere Form von Motivation in mir weckt. Von den aktuellen Titeln hatte mir BlazBlue sehr gut gefallen. Was mich etwas gestört hat, war die „langsame“ Geschwindigkeit im Vergleich zu GG und die häufigen Updates. Nach längerem Spielen geht man irgendwann in die Phase über wo man beginnt Kleinigkeiten zu verfeinern und aus dieser Phase durch ein Update rausgeworfen zu werden empfinde ich als etwas anstrengend. Jetzt ist ja Chronophantasma draußen und ich überlege ob ich dem Ganzen nicht noch eine Chanse gebe, da ich denke, dass sich das herumgeschraube langsam einpendelt. Aufjedenfall bin ich desweiteren sehr auf das neue GG gespannt und werde es definitiv in mein Sortiment aufnehmen, da ich denke, dass dieses Spiel Potenzial hat, nach vielen Jahren endlich mein neues Maingaim zu werden D

Was wünschst du dir für die österreichische Szene?
Abgesehen vom allgemeinen Wunschgedanken, dass diese ständig einem Wachstum unterliegen sollte, derzeit nicht mehr viel. Ich finde die Szene in Österreich hat sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt und es macht richtig Spaß hier.
Was jedoch der Nachteil an solch einer Entwicklung ist, ist, dass man ständig größere Turniere vor Ort hat und das Bedürfnis, sich international messen zu wollen nicht mehr so stark vorhanden ist wie es früher war. Doch der Trend ist derzeit die Evo, wo einige den Wunsch haben hinzufliegen. Eventuell werde ich mich da anschließen, jedoch ist dies zur Zeit schwer für mich abzuschätzen.
Um es mir aber besonders bequem zu machen, freue ich mich jedes mal wenn wir Besuch aus dem Ausland haben, das sind dann immer sehr spannende Abende.

Was könnte für die Community in deinen Augen absehbar zu einem Highlight werden (Events, neue Titel, etc.)?
Ich bin sehr gespannt wie sich USF4 nach der Entfernung der Unblockables und der Einführung des RedFocus enwickeln wird. Prinzipiell erlauben diese Änderungen das Verhalten des Spielgeschehens massiv zu verändern.
Desweiteren bin ich auf den Release des neuen GG sehr gespannt. Es gibt in der Wiener Szene viele Kandidaten, die sich das Spiel zu Herzen nehmen werden und hoffentlich wird dies ein Titel welches die ganzen Spielergruppen vereint und eine größere Basis herstellt.